Dorfchronik
Weddingen 1053-2003

Die Geschichte des SV Weddingen seit 1946

Aufzeichnungen über Organisierte sportliche Betätigungen in Weddingen, gibt es seit 1946.

Wer weiß aber, ob Turnvater Jahn nicht bereits vorher seine Spuren hinterlassen hat. Mit der Weißheit, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnt, hat er bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts sportliche Impulse in Berlin gestezt. Bei der Ausdauer von 950 Jahren kann sich eine länger sportliche Vergangenheit vermutet werden. Der organisierte Aufbau von Sportvereinen nach 1946 war für die Menschen eine Chance. Sie wollten sich nicht nur auf die Erfüllung bloßer Existensbedürfnisse beschränken, sondert auch durch Sport und Spiel Lebensfreunde, Fitness und Lebensqualität gewinnen.

Auch eine Gruppe Weddinger "Idealisten" nahm diese Herausforderung an und gründete am 03. April 1946 den SV Weddingen.
Gründung des Sportvereins SV Weddingen zu Weddingen am 03. April 1946

Auszug aus dem Protokollbuch:

Auf Einladung hatten sich heute alle Sportfreunde Weddingenes in der Gastwirtschaft des Herrn Mittendorfs zu Weddingen eingefunden, um über die Gründung eines Sportvereins zu verhandeln. Die Versammlung wurde durch Herrn Otto Wissel eröffnet und wählte ihn durch Zuruf zum Vorsitzenden. Der Gewählte nahm die Wahl an. Nach eingehender Besprechung des Verhandlungsgegenstandes und Beratung des Statuts, wurde die Errichtung eines Sportveriens unter dem Namen "SV Weddingen" beschlossen. Das Statut des neuen Vereins wurde von der Versammlung festgesetzt und angenommen. Dem Verein traten 29 männliche und 27 weibliche Mitglieder bei. Als Vorstandesmitglieder wurden ohne Einspruch gewählt: Herr Otto Wissel zum Vorsitzenden, Herr Ernst Wegener zum Jugend- und Hauptsportwart, Herr Karl Weinhold zum Mannschaftsführer und Trainer, Fräulein Magarete Meyer als Sportwärtin und Herr Arthur Huk zum Schriftführer und Kassenwart. Die gewählten nahmen die Wahl an.

 
Gründungsmitglieder des SV Weddingen:

Magarete Becker, Irmgard Bock, Anni Bockelmannm, Gertrud Ehlers, Lieselotte Ehlers, Inge Feuersänger, Ilse Franz, Erika Fricke, Lise Fuhrmann, Ruth Gebhardt, Ursula Glieber, Anne-Marie Janas, Gertrud Janas, Anneliese Köhler, Margarete Meyer, Lisa Meyer, Inge Oppermann, Edith Pfannenschmidt, Margot Teuber, Anneliese Voss, Elfi Wagner, Gisela, Waschke, Ursula Waschke, Waltraut Wegener, Grete Wiese, Manfred Becker, Bernhard Blochnik, Reinhard Bothe, Günther Brinkmann, Hermann Dannenberg, Gerhard Cegla, Hans Duda, Georg Glowka, Karl Grabowski, Athur Huk, Hubert Kendzia, Rudolf Koch, Karl-Heinz Köhler, Willi- Köhler, Alwin Mittendorf, Helmut Pape, Horst-Günther Prill, Willi Schäfer, Heinz Schemski, Wahlter Schumacher, Walter Voges, Walter Vollendorf, Willi Voss, Othmar Wagner, Ernst Wegener, Harry Weinert, Karl Weinhold, Otto Wissel und Karl Wünsch.

 
Die aktiven Damen des SV Weddingen:

Mit der Gründung des SV Weddingen war auch der Beginn einer äußerst aktiven sportlichen Betätigung der Weddingen Damen verbunden. Im Jahre 1946 wurde bereit die erste weibliche Handballmannschaft gegründet. Das Training fand in der alten Gärtnerei statt. Für die Organisation des Trainings- und Spielbetriebes zeichnete sich die Sportwartin Magrarete Meyer und ab 1948 als Trainer Karl-Heinz Bock verantwortlich. Die Damen spielten zu beginn Barfuß, das Zuschauer Interesse war groß. Zu den Auswärtsspielen fuhren die Sportlerinnen mit dem Fahrrad, oder sofern die Gelegenheit da war, mit dem "Köhlerschen LKW". Manch Gegner zitterte, wenn die "Schwarzen Teufel" ihre gefürchteten Sturmläufe durchführten. Auch vor höherklassigen Gegnern hatte man keine Angst. Der Vorstand beschloss Laufschuhe zu kaufen, auch wurden Trikots für die Damen angeschafft. Leider wurde die aktive Teilnahme am Handballspielbetrieb bereits im Jahre 1949 wieder eingestellt. Die aktive Damensportabteilung (Handball und Turnen) hat sich in der Folgezeit mehr zu einer passiven Beteiligung am Veinsleben entwickelt. Im Jahre 1978 wurde unter der Leitung von Frau Bärbel Wiechens eine Damen Gymnastikgruppe im Verein etabliert. Der Übungsbetrieb lief unter einfachsten äußeren Bedingungen mit nur wenigen Geräten, aber sehr aktiven Gymnastinnen an. Man turnte zunächst im Sahl der Vereinsgaststätte "Weddinger Hof", den die Wirtsleute und Förderer des Sportvereins, Gertrud und Eduart Garstka, unentgeltlich zur Verfügung stellten. Später wurde dann in der Pausenhalle der Grundschule Immenrode genutzt. Viele Weddinger erinnern sich gern an die Auftritte der Gruppe, an gesellige Abende, die Ausrichtung der Maskeraden und den Spass, den die Sportlerinnen während der Übungsstunden hatten.

Nach 8-Jähriger Ehrenamtlicher Tätigkeit von Frau Wiechens konnte im Jahr 1986 über den Kreissportbund die Übungsleiterin Ursula Blume für den SV Weddingen gewonnen werden. Mit dem Bau der neues Turn- Sporthalle in Immenrode wurde eine Übungstunde pro Woche für die Damengymnsatikgruppe vorbehalten. Damit konnten zusätzliche Geräte und neue Übungsbereiche erschlossen werden. Frau Blume betreute die Gruppe bis zum Herbst 1991, danach war die Zukunft der Gymnastikabteilung zunächst ungewiss.

Seit Februar 1992 leitet Ursula Schäfer die Frauengruppe im SV Weddingen, zu der heute etwa 25 sehr aktive Teilnehmerinnen gehören, die mehr oder weniger regelmäßig an den Übungsstunden teilnehmen. Mit einem vielseitigen Spiel- und Sportangebot wollen die Damen fit bleiben, Spass haben, sich entspannen, vorallem aber nicht unter Leistungsdruck stehen. Ein Schwerpunkt der Übungsstunden ist die gezielte gesundheitsfördernde Gymnsatik, besonders unter dem Aspekt der Rückenschulung.


Über den sportlichen Berich hinaus kommt in der Gruppe auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Wandern, Radfahren, Kegeln, Schwimmen und ein lustiger "Klönschnack" stehen neben den wöchentlichen Übungsstunden regelmäßig auf dem Programm.
Jugendarbeit im SV Weddingen im Zeitraffer

Bereits kurz nach Gründung des SV Weddingen begann auch die Jugendarbeit. Als erster Jugendwart wurde in der 4. Mitgliederversammlung am 1. Oktober 1946 Harry Weinert gewählt. Eine Knabenmannschaft konnte "Auf die Beine gestellt" werden.  Aus dieser ersten Jugendmannschaft gehört noch heute der Sportkamarad Bernward Janas dem Verein an.

Im Jahre 1948 übernahm Karl-Heinz Köhler das Training der Knabenmannschaft. In der Folgezeit setzten sich für die Jugendmannschaft aktiv die Sportkamaraden Richard Wegener, Rudi Wassermann und Karl Weinhold ein. So fuhr z.B. Karl Weinhold die Knaben zu den Auswärtsspielen mit seinem "Dreirad-Automobil". Dabei gab es viel Spass, insbesondere dann, wenn die Jungen das "Vehikle" bergauf schieben mussten.

In den 50er Jahren wurde die Jugendarbeit maßgeblich von den Herren Walter Becker, Otmar Wagner und Günther Kaese gestaltet. Die Beschaffung von Sportbekleidung stellte schon in den ersten Jahren die Verantwortlichen vor große Probleme. Um Trikots zu bekommen, verkauften die Jugendlichen Rasierklingen der Marke Berolina. Der erwirtschaftete Erlös von 75,00 DM wurde als Zuschuss für die Trikots verwendet.

1958 musste die Fussballjugendmannschaft wegen Erreichens der Altersgrenze mehrer Jugendspieler aufgelöst werden. 1959 konnte jedoch wieder eine Schülermanschaft zu den Punktspielen angemeldet werden. Zu der Saison 1960/61 war die Meldung einer A- Jugendmannschaft möglich. Im Jahre 1961 musste der Jugendspielbetrieb auf Grund  magelnder Beteiligung eingestellt werden. Im August 1964 konnte jedoch wieder eine Jugendmannschaft am Spielbetrieb teilnehmen.

Mit dem Engagement von Güther Kaese als Jugendtrainer begann nun eine erfolgreiche Jugenarbeit, die später Früchte in Herrenbereich tragen sollte, was eindrucksvoll auch durch die Eingliederung der Jugendlichen unter seiner Leitung im Herrenbereich eintrat.

 In den Jahren 1970 bis 1975 übernahm Erwin Schindler das Amt des Jugendleiters, Training und Betreuung der verschiedenen Jugendmannschaften wurde von E. Pietz, R. Krawczyk, A. Mosler und E. Antes durchgeführt.

Aufgrund des Geburtenrückganges und damit verbunden rückläufigen Nachwuchses konnte ab 1974 die Jugendarbeit nurnoch gemeinsam mit anderen Vereinen geleistet werden. Zunächst mit dem TSV Lengde, ab 1978 zusätzlich gemeinsam mit dem TSV Immenrode. Ab 1986 wurde die Spielgemeinschaft erweitert um die Vereine FG Vienenburg und TSV Lochtum. Für diese Jugendsportgemeinschaft, die den Namen JSG Harly erhielt, wurde Gunter Thielemann als erster Jugendleiter benannt, später Josef Zabel (beide TSV Immenrode) die Aufgabe. Für die belange im Jugendbereich im SV Weddingen engagiert sich seit 1988 erfolgreich E. Antes, seit dem ist wieder einmal ein Aufschwung zu verzeichnen. Auch ist die erfolgreiche Jugendarbeit eng mit dem unermüdlichen Einsatz von Gerhard Fricke verbunden.
Die sportliche Entwicklung im Seniorenfussball

Mit der Vereinsgründung im Jahre 1946 wurde Karl Weinhold zum Mannschaftsführer und Trainer der 1. Herrenfussballmannschaft gewählt. Zunächst wurden Freundschaftspiele durchgeführt, später auf Kreisebende in 2 Kreisklassen gespielt. Der SV Weddingen begann in der 2. Kreisklasse. Nach 1954/55 stagnierte der Spielbetrieb im Herrenbereich, sodass er 1961 kurzfristig eingestellt werden musste. Allerdings konnte für die Saison 1962/63 wieder eine Herrenmannschaft angemeldet werden.

In den folgenden Jahren konnte der Verein immer wieder Auf- und Abstiege der Mannschaft verzeichnen. Seit der Saison 1994/95 spielt die Mannschaft wieder " oben" mit. Leider erwischte es die "1. Herrenmannschaft" in der Saison 2000/01 wieder. Der Aufstieg in die 1. Kreisklasse wird jedoch direkt wieder angestrebt.

Im Laufe der Vereinsgeschichte unterlag die Mitgliederzahl einer für einen dörflichen Verein wohl durchschnittlichen Fluktuation. Das Interesse im Seniorenbereich entwickelte sich aber kontinuirlich positiv.

Die Entwicklung der Alten Herren ist eng verbunden mit dem Freizeitverhalten der aktiven, die Mannschaft besteht zum großen Teil aus ehemaligen Spielern der 1. und 2. Herren, sie schlägt sich seit der Saison 1983/84 wacker. Seit der Saison 2001 spielte die Alte Herren in einer Spielgemeinschaft mit dem TSV Immenrode, da aus eigenen Reihen nicht genügende zur Verfügung standen. Dass Alter auch im Fussball spielt, zeigt das Engagement der Senioren (über 40 Jahre). Seit Jahren nimmt eine Mannschaft auf dem "Kleinfeld" am Spielbetrieb teil. Die Motivation liegt nicht vordergründig am Erfolg, sondern an der Bewegung und der Pflege der Gemeinschaft.

Der SV Weddingen kann sich glücklich schätzen, dass in einer Gesellschaft mit wachsenen Anspruchsdenken noch so viel Idealismus vorgelebt wurde und auch noch wird. Alles im Allem ist in den über 50 Jahren Vereinsgeschichte durchaus ein positiver Trend zu verzeichnen.
Vereinsvorsitzende seit 1946
1946     Otto Wissel
1947     Richard Wegener
1948     Heinrich Brinkmann
1948     Gerhard Müller
1950     Richard Wegener
1956     Otmar Wagner
1958     Werner Kaese
1960     Rudi Wassermann
1964     Armin Kupffer
1969     Herman Kaese
1976     Willi Schirmer
1986     Rüdiger Wegner
seit 1988     Reiner Schirmer

 
Weitere sportliche Aktivitäten im SV Weddingen

Auch Tischtennis wurde in unserem Sportverein gespielt. Bereits in der 5. Mitgliederversammlung am 1. November 1946 wurde festgehalten, dass versucht werden soll, "Für die vorhandenen Tischtennisspieler" Platten zu bekommen. Offensichtlich konnte aber erst im Jahre 1956 unter der Leitung von Fritz Albrecht der Spielbetrieb aufgenommen werden. 1957 übernahm Dieter Fuhrmann als Spartenleiter die Tischtennisabteilung. Die Aktivitäten wurden 1959 wegen zu geringer Beteiligung eingestellt. Ab 1960 wurden wieder Aktivitäten unter der Leitung von Willi Heiner entwickelt. Gespielt wuede bis 1962/63 im Saal der Gaststätte Freckmann, ab 1964 im Saal der Gaststätte "Weddinger Hof".

Mit dem Tischtennis verantwortlich verbunden waren über die Jahre 1960 bis 1963 die Sportkamaraden Willi Heiner, Ernst Freckmann und Karl-Heinz Wünsch. Es wurde sehr erfolgreich am Punktspielbetrieb teilgenommen. Leider lies die Beteiligung 1973 sehr nach, so dass diese Sparte des SV Weddingen eingestellt wurde.

Die Gesellschaftliche Entwicklung im 3. Jahrtausend stellt das Gemeinwesen vor große Herausforderungen. In der Vergangenheit konnten Vereine mit ihrer integrativen Kraft auf die Bedürfnisse leidender Menschen angemessen reagieren. Zukünftig wird es schwieriger, den Wünschen gerecht zu werden. Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich verändert. Die Bindung der Vereine erfolgt nicht nur als Unterstützungsleistung wegen der anerkannten gesellschaftlichen Bedeutung, es wird vielmehr eine Gegenleistung in Form umfangreicher Freizeitangebote erwartet. Die Erfüllung dieser Nachfrage wird nur möglich sein durch die Vorhaltung entsprechender Infrastrukturen.
Ob der Weddinger Sportverein die Herausforderungen meistert, richtet sich danach, ob es auch zukünftig genügend Ehrenamtliche gibt, die sich mit Ideen, Idealismus, Engagement und Tatkraft einsetzen.

 

(Text und Quelle: Reiner Schirmer aus dem Buch "Weddingen 1053-2003")